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Nach der teilweisen Zerstörung des Domes während des Zweiten Weltkrieges wurden alle Gottesdienste der Domgemeinde im Remter, dem Refectorium der alten klösterlichen Stiftung, das den Ostflügel des Klosters bildet, gehalten. Dieser Raum ist eine lange, aber ziemlich niedrige zweischiffige gotische Halle, die in der Mitte durch eine Reihe Marmorsäulen getrennt ist. Der Remter dient der Domgemeinde noch heute von Mitte Oktober bis Mai als Winterkirche, da der Dom selbst nicht heizbar ist.
Der Remter; die Orgel ist im Hintergrund gerade sichtbar
Gerhard Bremsteller, erster Domorganist nach dem Krieg, gelang es 1949 eine größere Orgel für diesen Raum zu erwerben, um das kleine zweimanualige, romantische Instrument von Furtwängler und Hammer, das aus der Domschule (dieses Instrument existiert nicht mehr) dorthin übernommen wurde, zu ersetzen. Die Firma Schuke aus Potsdam wurde damit beauftragt, die Arbeiten durchzuführen. (Die Firma stand zu dieser Zeit unter der Leitung Karl Schukes, eines der beiden Söhne des Firmengründers Alexander). Kurze Zeit später, nach dem Rückkehr des jüngeren Bruders aus russische Gefangenschaft, übergab Karl den Familienbetrieb in die Hände seines Bruders Hans-Joachim und übernahm die "Berliner Orgelbauwerkstatt" in Westberlin, ein Betrieb, der in seinem Auftrag von Ernst Bittcher gegründet worden ist.)
Schuke wünschte anfangs eine relativ kleine, 22-registrige, zweimanualige Orgel mit Rückpositiv zu ebener Erde zu bauen. Dabei wollte er die Höhe des Bauwerkes direkt unter dem höchsten Punkt des Gewölbe ausnutzen, mehr oder weniger an der Stelle, von der dieses Bild aufgenommen wurde. Letzten Endes gab er aber den Wünschen Bremstellers nach und baute nach dessen Konzeption eine dreimanualige Orgel mit 29 Registern an die nördliche Stirnwand. Das hatte zur Folge, daß der interessanteste Teil der Orgelfassade (die Orgel hat kein geschlossenes Gehäuse) sich direkt hinter einer Säule befand und in der Gänze von keiner Position im Raum aus gesehen werden konnte. Weiteres Bild. Der Disposition der Orgel nach zu beurteilen wäre sie ein typisches neobarockes Instrument erscheinen, aber die engen Labien und Kernspalten und die sehr hohen Aufschnitte der Principale verliehen dem Instrument einen Klang, der sich weit ab von dem hellem, fast spitzen Klangbild bewegte, das andere Orgelbauer zu dieser Zeit bevorzugten. Bedingt unter anderen Faktoren durch die Schwierigkeit der Materialbeschaffung in den Nachkriegsjahren war die Orgel immer ein Sorgenkind; eine fünfte und letzte Reinigung und Instandsetzung erfuhr sie im Jahre 1992, bevor sie 1996 verstummte. Eine lange Streit mit dem Landesamt für Denkmalpflege über den künftigen Umgang mit dem Instrument, das 1988 zum Denkmal erklärt wurde, entfachte, und wurde erst mit der Genehmigung des Abbaus durch die zuständige untere Denkmalbehörde 2007 beendet. Im Juli des Jahres wurde die Orgel von den Technikern des Lampl’schen Orgelmuseums in bayerischen Valley abgebaut und dorthin gebracht. Eine
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Zusammenfassung der Entstehungsgeschichte dieser Orgel und der Auseinandersetzung um ihre Zukunft können Sie hier lesen:
Seit mehr als zehn Jahren dient also eine bescheidene Digitalorgel für sieben Monate des Jahres als Domorgel. Nach Vollendung der neuen grossen Domorgel und Abschluss der für 2008 geplanten Sanierung des Remters wird eine geeignete Lösung für diesen Raum gesucht. Die vorläufige Planung sieht ein etwa 22-registriges Instrument vor, dessen Hauptbestand den mitteldeutschen Orgelbau des 18. Jahrhunderts als Modell nimmt; es soll aber keine Stilkopie entstehen.
Nachdem die Reparaturen der Kriegsschäden am Dom 1955 mehr oder weniger vollendet waren, nahm Gerhard Bremsteller Verhandlungen zum Bau einer neuen Domorgel auf. Sein Konzept sah eine große Orgel mit elektrischer Traktur auf der Westempore, verbunden mit einer kleineren "Gegenorgel" auf dem "Bischofsgang", dem oberen Umgang des Hohen Chores, vor. Letztere sollte mechanische Traktur bekommen, aber auch elektrisch vom Spieltisch der Hauptorgel aus fast 120 Metern Entfernung spielbar sein. Angebote wurden von einer Vielzahl von Firmen, darunter auch Schuke, Jehmlich und Eule, eingeholt. Aus diesem Konzept gingen ein Anzahl von Problemen hervor, darunter diese: - das Amt für Denkmalschutz war nicht gewillt, den Bau einer Orgel weder auf der einen noch der anderen geplanten Stelle im Dom zu erlauben, obwohl historisch belegbar war, daß dort schon seit über 750 Jahren in der Geschichte des Domes Orgeln ihren Platz hatten. - der damalige Orgelrevisor im Konsistorium der Kirchenprovinz Sachsen, Willi Strube, warnte aus akustischen Überlegungen gegen die Verwendung der Westempore für den Orgelbau - zu Unrecht, wie heute wieder klar wird. Zwar war die Idee einer “Schwalbennestorgel” sicherlich nicht von der Hand zu weisen; die hätte aber im Langhaus Platz finden müssen. Da dort kein Triforium vorhanden ist, wäre dies problematisch gewesen. - seit der preußischen Säkularisierung im Jahre 1830 war der Dom Eigentum des Staates. Dies bedeutete, daß der Staat für die Orgeln selbst und den finanziellen Aspekten eines solchen Neubau-Projektes verantwortlich war. Selbstverständlich war die kommunistische Regierung nicht sonderlich daran interessiert, sah aber in der Tat für einige Jahre jährlich einen bestimmten Geldbetrag vor unter der Bedingung, daß das Geld innerhalb eines Jahres verbraucht werden mußte. Da es nie genug zur Vollendung der Orgel war und da die benötigten Materialien innerhalb der angegebenen Zeitspanne nicht erworben werden konnten, konnte einen Auftrag nie vergeben werden.
In der Zwischenzeit konnte die Domgemeinde eine eher mittelmässige Orgel der Firma Schuster aus Zittau im Dom aufstellen und benutzen. Diese Orgel wurde ursprünglich für die Heilig-Geist-Kirche erbaut, die erste der fünf innerstädtischen gotischen Pfarrkirchen in Magdeburg, die nach dem Krieg wieder aufgebaut werden konnte. Dieses Gotteshaus wurde aber, gleichwie den Ruinen der Katharinen-, Ulrichs- und Jakobskirchen, auf Anordnung der Ulbrich-Regime, in den 50 Jahren gesprengt.
Nach einigen Jahren entschieden sich der Gemeinderat und Bremsteller, zu versuchen, eine kleinere Orgel in der Nähe des Hohen Chores zu bauen, die in einem gewissen Maße die Funktionen sowohl der Westorgel als auch der Chororgel erfüllen und durch die Gemeinde selbst finanzierbar sein sollte. Der Auftrag wurde an die Firma Schuke vergeben und nach einer Wartezeit von fast einem Jahrzehnt wurde die Orgel endlich 1970 errichtet. Sie steht auf dem Sims eines Ganges über der "Paradiespforte", tief in das nördliche Querschiff zurückstehend. Die schöne Orgel ist gerade eben in der Lage, das Querschiff und die Vierung klanglich zu beherrschen . Da aber der Liturgie-Altar, der für den Gemeindegottesdienst benutzt wird, westlich der Vierung steht und der Lettner östlich davon, ist dies ein "toter" Bereich des Domes, in dem sich während des Gottesdienstes, ob im Hauptschiff oder Hohen Chor, niemand aufhält. Die Orgel kann in den restlichen Teilen des Gebäudes nur sehr verschwommen wahrgenommen werden. Das Gehäuse, sehr grob aus gebeizter Fichte gezimmert, wurde von dem Architekten Fritz Leweke aus Halle entworfen.
Die Orgel bleibt auch nach Vollendung der neuen Westorgel 2008 im Dom bestehen. Sie wird weiterhin gepflegt und zu Amtshandlungen, Andachten und kleinere Gottesdienste im Hohen Chor bespielt, sowie auch konzertant eingesetzt. Eine Neuanfertigung des Gehäuses in besserer tischlerischen Ausführung ist angedacht, sowie der Ersatz der gefährdeten Prospektpfeifen durch welche in stabilerer Zinnlegierung.
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